Freitag, 6. Mai 2016

[Rezension] Die Tribute von Panem - Flammender Zorn

Autorin: Suzanne Collins
Seitenzahl: 431
Band: 3 von 3
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-3220-9 -> Bestellen!

Erster Satz:
Ich stehe da und schaue zu, wie sich eine dünne Ascheschicht auf meine abgetragenen Lederschuhe legt.

Inhalt:
Möge das Gute siegen! 
Möge die Liebe siegen! 
Katniss lebt! Schwer verletzt wurde sie von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Allerdings ist sie damit noch lange nicht außer Lebensgefahr. Doch Katniss' einzige Sorge gilt Peeta, der in den "Hungerspielen"
sein Leben für sie gelassen hätte. Die Regierung hat ihn gefangen genommen, ihn gefoltert und seinen Willen gebrochen, um ihn als Werkzeug für ihre Zwecke zu missbrauchen. Das Ziel des Kapitols: die endgültige Vernichtung der Aufständischen. Und zu denen zählt auch Gale, Katniss' treuer Freund aus Kindheitstagen...

 Meinung:
Seit einer Ewigkeit habe ich mir schon vorgenommen, dieses Buch zu lesen! Zwischenzeitlich wurden dann alle drei Teile verfilmt und ich habe nur die ersten beiden Bände gelesen, bevor ich die jeweiligen Filme gesehen habe. Bei dem 3. Band hat das dann nicht so geklappt.
Im Vergleich zum Film konnte ich feststellen, dass Katniss anders auf mich gewirkt hat, denn im Film wirkt sie Heldenhafter und es wird kein allzu genauer Blick hinter die Kullissen geworfen (absurdität der inszenierten Propo-Szenen etc). Im Buch kommt das junge, verzweifelte und nahezu hilflose Mädchen mehr zum Vorschein, dass jedoch fest entschlossen ist, zu handeln. Im Film sehen wir Katniss eher als den Spotttölpel und eine Kämpferin, weil dort auch einige der unspektakulären Szenen auf dem Weg zum Kapitol ausgelassen wurden.
Ich persönlich mochte die ersten beiden Teile lieber, denn in denen ist Katniss noch voller Leben und hat die Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden könnte. Sie ist lebendiger und man kann sie eher als Heldin bzw. Kämpferin sehen als in dem letzten Teil, denn sie ist beinahe gebrochen, wird von allen Seiten ausgenutzt und instrumentalisiert. Sie wird in den Dienst einer Sache gestellt, die sie so eigentlich nicht wollte und muss versuchen, in ihrer Rolle zu bleiben. Man spürt während des Lesens immer deutlicher, dass sie von der Verzeiflung gepackt wird und am Liebsten einfach weggerannt wäre. Dafür ist es jedoch längst zu spät, denn die Menschen zählen auf sie - denn sie ist der Spotttölpel, die Hoffnung der Menschen und das Symbol des Wiederstands und der Freiheit. Doch um welchen Preis kämpfen sie alle? Diese Frage stellt sich Katniss oft und findet doch keine befriedigende Antwort. Trotzdem kämpft sie weiter. Aus Verzweifelung, aus Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie, ihren Freunde und ihrem Volk, um das Richtige zu tun, weil sie keine andere Wahl hat.
Alles scheint aus dem Ruder zu laufen und irgendwann verschwimmen die Linien zwischen Schwarz und Weiß...
Die Geschichte ist unglaublich fesselnd und dramatisch. Die Situation spitzt sich zu, nun geht es nicht mehr um Katniss und ihren Trotz gegenüber dem Kapitol. Jetzt wird es politisch - und persönlich. Der Zweck heiligt die Mittel und eine Katastrophe bahnt sich an.
Ich finde, das umschreibt den letzten Band ganz gut.
Das Buch hat mich gepackt, denn die Schicksale der Menschen ging unter die Haut. Das alles hat mich unheimlich tief berührt und ich habe mich oft bei dem Gedanken was wäre wenn... erwischt. Die politische Situation wirkt plausibel, beinahe schon so, als könnte dies tatsächlich irgendwann passieren (ich hoffe doch nicht), wenn es auch etwas überspitzt war.
Die Instrumentalisierung einzelner Personen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist jedenfalls nichts neues, denn wirft man einen Blick auf die Geschehnisse in unserer eigenen (echten!) Welt und ihrer Vergangenheit, sieht man, dass so etwas nicht allzu abwägig ist.
In dem Buch wollen scheinbar alle das Wohl für das Volk (außer Snow vielleicht) und letztendlich ist doch die Mehrheit recht egoistisch.
Ich finde, das Buch hält einem in gewissen Sinne einen Spiegel vor die Nase. Ist unsere Weltpolitik so viel besser? Natürlich ist Panem ein Buch, doch mit etwas Fantasie... Und sind wir uns selbst treu? Oder lassen wir uns nur allzu gerne manipulieren? Gieren wir auch nur nach unterhaltung? Verschließen wir nicht auch die Augen vor der Realität? Sind wir nicht auch besessen von unseren Idealen und Vorstellungen? Teures Auto, schön sein, Geld... SInd wir nicht auch so wie die Leute im Kapitol?
Was mich an dem Buch auch beeindruckt hat ist, dass es zum Ende hin kein richtiges Gut und Böse mehr gibt. Nicht einmal Unbeteiligte scheinen hier eine Ausnahme zu bilden. So sind die wenigsten Leute hilfsbereit, sondern stattdessen egoistisch. Egal wo. Und auch die Anführerin der Rebellen ist nicht ganz ohne, obwohl sie ja augenscheinlich gegen "das Böse" ist. Jeder verfolgt seinen eigenen Plan, jeder hat seine eigenen Wertvorstellungen und Ideale.
Auch die Tatsache, dass der einzelne im Krieg untergeht, dass man nur schwer das Richtige tun kann und dass man nur allzu oft in Pattsituationen gelangt, zeigt das Buch total gut.
Außerdem lässt das Buch nicht aus, dass die "Helden" auch "Normalsterbliche"sind, ebenso verletzt und getötet werden oder auch verrückt werden können.
Die Folgen und Probleme eines so radikalen politischen Umbruchs kann man auch gut mitverfolgen, wenn man das Buch aufmerksam liest.

(Ups, das war jetzt etwas viel... und ein bisschen sehr in Richtung Schulreferat oder so.. finde ich xD Verzeihung, aber das wollte ich alles mal loswerden! Ich hoffe, ihr konntet mir gut folgen!)


Schreibstil:
Katniss in der Ich-Perspektive. Dadurch bekommt man als Leser einen tiefen Eindruck in ihre Psyche, ihre Gedanken, Gefühle, Ängste... Mir ist das recht nahe gegangen. Allerdings bekommt man durch die Ich-Perspektive immer nur eine Perspektive, was mich persönlich immer etwas stört, weil ich gerne einen Überblick habe und möglichst alle Perspektiven einnehmen und verstehen möchte.

Cover:
Auffällig, geheimnissvoll und trotzdem schlicht. Ich finde, dass es gut zum Inhalt des Buches passt. Auch hat es einen hohen Wiedererkennungswert, was ja durchaus positiv ist. Alle drei Bände passen zusammen und haben Charakter.

Bewertung:
5 von 5 für ein Buch, das vieles in sich vereint. Liebe, Hass, Politik, Freundschaft, Aufopferung, Krieg...

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