Samstag, 29. Oktober 2016

[Rezension] Phantasmen

Autor: Kai Meyer
Seitenzahl: 400
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31521-2 -> bestellen

Erster Satz:
Weißt du, wie es ist, jemanden so sehr zu lieben, dass er in jedem Bild auftaucht, das du dir von deiner Zukunft ausmalst?

Inhalt:
Ich hatte immer angenommen, dass das erste Anzeichen des Weltuntergangs ein Flammenpilz am Horizont sein würde, aber ein Lächeln?
Eines Tages tauchen sie aus dem Nichts auf – die Geister der Toten. Und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in der einzigen Wüste Europas, warten Rain und ihre Schwester Emma auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger auf einem Motorrad, ist hierhergekommen, um seine große Liebe Flavie noch einmal zu sehen. Dann erscheinen die Geister. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln.

Meine Meinung:
Zunächst möchte ich mich bei Carlsen für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanken! Kai Meyer ist einer meiner Lieblingsautoren und in meinem Bücherregal tummeln sich mittlerweile schon einige seiner Werke! Umso gespannter war ich natürlich auf dieses Buch, zumal es ein Einzelband ist, was ja bei Kai Meyer beinahe schon Seltenheitswert hat..!
Rain ist eine ungewöhnliche Protagonistin, wie ich finde. Sie hat ein Trauma durchlitten und ihr
Leben war bisher auch äußerst ungewöhnlich. Genaueres erfährt man leider nur an wenigen Stellen, aber das macht auch irgendwie den Charakter des Buches aus. Es gibt viele ungeklärte Dinge, Beweggründe bleiben doch ein wenig undurchsichtig und die gesamte Situation ist und bleibt düster, geheimnissvoll und erschreckend abwegig-real..! Ja, abwegig-real. Ihr habt richtig gelesen, denn so würde ich das Buch beschreiben.
Zum Einen ist die komplette Geschichte recht abwegig, denn Geister, die plötzlich auftauchen, herumstehen uund irgendwann ihr tödliches Lächeln aufsetzen weil.. ja, warum eigentlich? Mysteriös und unrealistisch.. Eigentlich. Aber die erschreckend realitätsnahe Schreibweise des Autors, gepaart mit perfekt unperfekten Charakteren und der Weltuntergangsstimmung lässt einen dann mit dem Gefühl zurück, dass all das eben doch realer erschien, als es - rational betrachtet - ist. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine!
Die gesamte Atmosphäre war bedrückend und viele grausige Szenen (hallo?! Zwei Mädchen, die zwischen Geistern herumirren, die sie jederzeit töten können und dabei über Leichenberge klettern?!), die jedoch beinahe emotionslos und sehr distanziert beschrieben wurden, sorgten für ein mulmiges Gefühl beim Lesen. Das fand ich persönlich sehr reizvoll und interessant, weil sowas - meiner Meinung nach - schnell schief gehen kann. Ist es aber nicht, darum hat mir das Buch ja so gut gefallen.
Das Buch fesselt den Leser, indem der Autor einem immer häppchenweise Informationen und eine Menge neuer Fragen seriert, die einen förmlich zum Weiterlesen drängen!
Emma, Rains kleine Schwester, war mir super sympathisch, auch, wenn ich sie bis zum Schluss nicht richtig einschätzen konnte. Oder vielleicht auch gerade deswegen! Sie ist sehr distanziert und Gefühllos, super intelligent und scheint sich dennoch um ihre große Schwester zu sorgen, die sich wiederum sehr um sie sorgt.

Insgesamt fand ich das Buch sehr gut und würde es jeden empfehlen, der ein wenig düstere Stimmung und mysteriöses Zeug gut vertragen kann :P

Cover:
Düster, man sieht Geister, die dem Sonnenlicht zugewandt sind.. Ja, passt super zum Buch!

Schreibstil:
Wie bereits erwähnt ist der Schreibstil sehr düster und kommt (soweit ich das überblicke) nahezu komplett ohne Wörter aus, die auch nur entfernt postitiv sind, wodurch diese mysteriöse und unheilvolle Endzeitstimmung besonders hervorsticht.

Bewertung:
 4 von 5, weil das Buch hält, was es verspricht und sich von vielen anderen abhebt. 
Für die volle Punktzahl fehlte mir jedoch noch das gewisse Etwas im Vergleich zu anderen Büchern.

 

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