Donnerstag, 17. Mai 2018

Rezension | Perfection - Das Ranking von katharina Groth

Hallo ihr Lieben
Ich habe mal wieder eine Dystopie verschlungen :) Sicher habt ihr schon mitbekommen, dass mich dieses Genre momentan sehr fesseln kann und dass ich in letzter Zeit generell sehr viele Ausflüge in die Randbereiche der Science Fiction mache.
Das Buch hat mit seinem Cover sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Klappentext hat mich nur noch neugieriger gemacht, weil ich Themen wie Perfektion, Followerwahn und extreme Gesellschaftssysteme sehr faszinierend und auch oft erschreckend finde.




Klappentext:

Was geschieht, wenn der Wert deines Lebens von Schönheit, Sympathie und Fitnesslevel abhängig ist? Das Ranking entscheidet.

Crystals Leben ist perfekt. Trotz der zerstörten Außenwelt lebt sie in einem Apartment der Hochrangigen und fügt sich in das System, das ein weltweites Videovoting vorgibt. Die optimale Dosis Sport, Pflege, Gesundheit, Schlaf – all das entscheidet der Computer für sie.

Bis zu dem Zeitpunkt, als sie im Ranking aufsteigen und in die Zentralstadt ziehen soll.

Ks Leben ist ein tägliches Ringen mit dem Tod. Er und sein Bruder B gehören zu den Namenlosen und bewohnen die niedrigsten Etagen von Neutropolis. Sein einziges Ziel ist es, seinen schwer kranken Bruder mit ausreichend Medikamenten zu versorgen. Er hat es bereits vor langer Zeit aufgegeben, im Ranking aufzusteigen und kämpft nur noch um ihr Überleben. Doch all das wird unwichtig, als Crystal in sein Leben tritt.

Eine schicksalhafte Begegnung, eine Liebe, die nicht sein darf und eine Rebellion, die das System stürzen will. Wie weit kann man von Perfektion entfernt sein, wenn sie doch so nah ist?

Eine Dystopie, die sich unsere Jagd nach Followern zur Brust nimmt.
(Text und Cover: Gedankenreich Verlag)


Meine Meinung:


In dem Buch begleiten wir zwei Charaktere auf ein ungewolltes Abenteuer. Crystal ist eine Hochrangige mit vielen Followern. Ein aufsteigender Stern, während K ein namenloser aus der untersten Gesellschaftsschicht ist, der um das Leben seines kranken Bruders kämpft und den Ausfstieg schon lange aufgegeben hat. Sie treffen aufeinander und plötzlich funktioniert nichts mehr. Crystal wird aus ihrer Welt gerissen und auch K muss improvisieren, weil plötzlich Fehler auftreten, die nicht sein dürften.

Normalerweise mag ich in Dystopien die Charaktere aus den unteren Gesellschaftsklassen lieber, während ich mit den anderen oft erst warmwerden muss. Hier war es ausnahmsweise einmal andersherum, denn ich konnte mich sehr viel besser mit Crystal identifizieren. Selbst ihre Weltanschauung konnte ich zu großen Teilen nachvollziehen, während ich mit K erst später warmwurde. Es war nicht so, dass er mir unsympathisch war - keinesfalls! Doch seine Ansichten waren ein Punkt, mit dem ich nicht wirklich klarkam - wobei er aus seinem Umfeld dennoch der Vernünftigste war.
Crystals Leben ist sehr vorherbestimmt vom System. Ein Computer sagt ihr, was sie essen, wie viel Sport und wie lange sie schlafen soll. Alles ist darauf ausgelegt, dass es ihr und ihrem Körper möglichst gut geht und dass sie auch gut aussieht. Den ganzen Tag über macht sie Videos für ihre Follower, um im Ranking aufzusteigen, denn ihr Ziel ist es, in die Zentralstadt zu kommen. Raus aus der Wohnung, die sie nicht verlassen kann und hinein in eine sichere Stadt, die von der Umweltverschmutzung abgeschottet ist.
K lebt hingegen im Dreck. Er teilt sich mit seinem kranken Bruder ein Zimmer und versucht alles, um an Medizin zu kommen. Er kämpft um ihrer beider Leben und muss sich regelmäßig der giftigen Luft aussetzen, um an Medizin zu kommen. Während sein Bruder mit den Rebellen sympathisiert, sieht er in diesen nur eine Gefahr für sie beide. Unnötige und vor allem sinnlose Risiken.
Im Laufe der Handlung habe ich beide Charaktere sehr gut kennengelernt und sie auch ins Herz geschlossen. Besonders zusammen mochte ich beide sehr, denn obwohl sie aus verschiedenen Welten kommen und total verschiedene Weltansichten haben, passen sie wunderbar zusammen und lernen mit der Zeit auch, ihre Perspektive zu überdenken.
Auch noch erwähnenswert fand ich Casus. Er hat sich im Untergrund seine eigene Welt gebaut, weil er ein richtiges Technikgenie ist und das System überlisten kann. Seine Art ist sehr erfrischend und ich fand ihn von Anfang an spitze. Er ist keiner von den Guten, kein Wohltäte (wie er nicht müde wird zu erwähnen), aber auch keiner von den Bösen. Er ist sehr intelligent versteht die Zusammenhänge und vor allem auch die Konsequenzen und Auswirkungen, die ein unbedachtes Handeln haben kann. In seiner beinahe-Neutralität konnte ich mich sehr gut mit ihm identifizieren und ich fand ihn einfach mega cool. Ein toller Ausgleich zu den anderen Charakteren.
Alles in allem fand ich alle Charaktere sehr glaubwürdig und auch sehr individuell. Man hat sie alle irgendwo verstanden und sie haben nicht entgegen ihres Charakters gehandelt.
Mir sind hier und da ein paar Fehlerchen aufgefallen (wirklich nicht viele), aber ansonsten hat mir der Stil sehr gefallen. Ich bin nirgendwo gestolpert, wusste immer, aus wessen Perspektive gerade erzählt wurde (auch, wenn ich mitten im Kapitel abgebrochen und später weitergelesen habe) und fand den Stil auch sehr passend. Die Charaktere kamen sehr authentisch rüber und auch von der Welt um sie herum habe ich einen sehr guten Eindruck bekommen, ohne das Gefühl gehabt zu haben, dass irgendwo unnötig viel Erklärt wird. Es gab keine Informationsflut, obwohl die Welt nicht unbedingt unkompliziert ist.
Während des Lesens habe ich einige Punkte "gesammelt" und im Hinterkopf behalten, weil ich auf einige Fragen unbedingt noch Antworten haben wollte. Mir hat es sehr gefallen, dass zwischendrin Themen aufgekommen sind, die viel Später nochmal aufgegriffen und zu Ende geführt wurden. Die Welt an sich fand ich sehr schön erklärt und auch gar nicht so abwegig. Am Anfang habe ich mich gefragt, wie das alles funktionieren soll, wenn alle Menschen nur Videos machen und nicht arbeiten oder ähnliches, aber auch das hat sich später geklärt.
Im Laufe der Handlung trafen die verschiedenen Welten oft aufeinander, doch es gab kein Schwarz-Weiß-Denken. eher Graustufen und die Erkenntnis, dass man andere Blickwinkel einnehmen und verstehen können sollte. Der Aspekt hat mir persönlich am besten an dem buch gefallen.
Ab und zu hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass einige Details sehr lose sind, die Begründungen nicht sehr Wasserdicht, aber selbst das hat sich später gelöst. Alles in allem fand ich das Thema sehr gut umgesetzt und die Welt, die Charaktere und die Geschichte an sich sehr interessant und gut durchdacht.

Eine tolle Dystopie, die sich mit unserem Followerwahn und Gesellschaftssystemen beschäftigt. Auch den Umwelt- und Gesundheitsaspekt fand ich sehr interessant. Besonders die Auflösung am Ende hat mir gefallen, weil sie ganz nach meinem Geschmack war, weil es eben nicht so genretypisch war.

Infos:
Autorin: Katharina Groth
Seitenzahl: 372
Verlag: Gedankenreich Verlag
ISBN: 978-3-96111-527-3

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen