Dienstag, 19. Dezember 2017

Romanprojekt | Textschnipsel aus der Dschinnstadt

Ich habe gerade das Gefühl, nichts zu schaffen, auf der Stelle zu treten... Ich weiß, es ist wieder nur eine Phase, aber dieses Wissen macht es nicht unbedingt besser.
Gerade sitze ich an einem meiner Romanprojekte und dachte mir, dass ich euch daraus ein Stück zeigen kann.
Für dieses Projekt musste es einfach die erste Person Präsens sein, auch wenn das für High Fantasy eher ungewöhnlich ist. Aber ehrlich gesagt ist mein Romanprojekt auch keine normale High Fantasy. Nichtmal ansatzweise, haha! Ach, lest selbst... Ich hoffe, der Textschnipsel gefällt euch!


Der Raum sieht bewohnt aus, ist zu unserem Glück jedoch leer. Wir haben alle Räume überprüft und stehen nun in einem der zwei Schlafzimmer, in dem ein breites Bett mit zerwühlten, dreckigen Laken steht. Sofort fühle ich mich unwohl, wie ein Eindringling, der ich auch bin. Hier, in diesem Haus, wohnen Menschen. Und wir treten einfach ein.
„Lass uns gehen“, flüstere ich Anden zu und ziehe an seinem Ärmel. „Ich habe kein gutes Gefühl.“
Noch ehe ich geendet habe, höre ich, wie die Haustür geöffnet wird und jemand eintritt. Hastig ziehen wir uns zurück, wollen zur Falltür, doch diese liegt auf der anderen Seite der Eingangstür.
„Durch das Fenster!“, keuche ich. Also laufen wir auf die andere Seite des Bettes und versuchen, das Fenster aufzustemmen. Doch es rührt sich nicht, ist fest in der Mauer verankert. Anden flucht. Was jetzt?
Wir verharren im Schlafzimmer. Vielleicht werden wir nicht gefunden und uns bietet sich eine andere Chance zur Flucht. Ich klammere mich an die Hoffnung, blende alles um mich herum aus. Ich zucke nicht einmal zusammen, als der Vorhang, der das Schlafzimmer von den restlichen Räumen trennt, beiseitegerissen wird.

Ein Mann steht im Türbogen. In seiner Hand blitzt ein gebogenes Messer auf.
Keiner rührt sich, bis der Mann zu uns spricht. „Was wollt ihr hier?“, knurrt er und ich erschrecke ob seiner tiefen Stimme.
Bevor einer von uns antworten kann, fällt sein Blick auf mich. Er starrt auf meinen leuchtenden Oberkörper und tritt eilig einen Schritt zurück.
„W-Was bist du?“, keucht er erschrocken. „Was wollt ihr?“ Seine Augen sind angstgeweitet, während er langsam zurückweicht. Ich will ihn besänftigen, doch Anden hält mich auf. Er schiebt mich hinter sich und geht selbstbewusst auf den Mann zu. „Du willst nicht wissen, was sie ist.“, knurrt er bedrohlich. Ich schlucke. Der Mann steht nun an die Wand gepresst da und schaut Anden erschrocken an. Die Hand, in der er das Messer hält, zittert. Er tut mir leid. Schließlich sind wir in sein Haus eingebrochen.
„Anden“, setze ich an, gehe ein paar Schritte auf die beiden zu. Schlechte Idee.
Der Mann reißt seinen Arm hoch, zeigt mit der Klinge auf mich. „Weiche von mir!“, kreischt er beinahe hysterisch. Unsicher weiche ich wieder zurück. Aus Angst, er würde Anden mit dem Messer verletzen.
„Du hörst mir jetzt ganz genau zu“, zischt Anden den Mann an. Dieser lässt den Arm wieder sinken und erwidert Andens Blick. Dieser beugt sich vor und raunt ihm etwas ins zu, das ich jedoch nicht hören kann. Ich hätte niemals gedacht, dass mein Begleiter so angsteinflößend sein kann.
„Hast du verstanden?“, bellt Anden, woraufhin ich erschrocken zusammenzucke. Der Mann wimmert und nickt hastig. Ich will mich einmischen, doch ich wage es nicht, mich den beiden Männern erneut zu nähern.
„Brina, such ein Seil oder sowas.“ Der kommandierende Unterton in seiner Stimme stößt mir übel auf, doch ich gehorche. Ich weiß nicht, was er vorhat und ob das alles zu dem Schauspiel gehört, das er spielt, um uns zu retten. Muss er uns überhaupt retten? Muss er diese Rolle überhaupt spielen? Während ich das Haus durchsuche, frage ich mich, ob uns der Mann nicht einfach geholfen hätte, wenn wir ihm erklärt hätten, wer wir sind. Herausfinden würde ich es wohl nie.
Endlich finde ich einen Strick. Als Anden diesen in meinen Händen sieht, nickt er. Erwartungsvoll stehe ich neben ihm, warte ab, was er nun tun wird. Dabei ahne ich es bereits. Mir fällt auf, dass das Messer des Mannes nun in einer Ecke liegt. Ich hebe es unauffällig auf und stecke es in den Bund meiner Hose, woraufhin ich eine Bahn meines Kleides darüber fallen lasse. In der Zwischenzeit hat Anden dem Mann die Arme auf den Rücken gedreht und ihn vor das Bett gezerrt.
„Das Seil“, fordert er. Ich reiche es ihm und trete hastig wieder zurück. Ich fühle mich unwohl, als ich dabei zusehe, wie Anden den Mann an den Pfosten des Bettes fesselt. Fühle mich zurückversetzt in eine Situation, in der es mir ähnlich ergangen ist.
Plötzlich knallt der Mann Anden den Kopf gegen die Stirn. Anden taumelt zurück, der Mann reißt sich los und will fliehen. Zumindest sieht es danach aus, doch er hechtet auf das Kopfende des Bettes zu, greift unter das Kissen und hält plötzlich ein weiteres Messer in der Hand, das er sogleich auf mich richtet. Wie erstarrt stehe ich da, starre ihn an. Noch bevor Anden etwas unternehmen kann, ist der Mann bei mir. Ich habe nicht einmal mitbekommen, dass er sich mir genähert hat. Ich spüre das kalte Eisen an meinem Hals, den starken Griff um meinen Körper.
„Eine Bewegung, und ich schneide ihr die Kehle auf!“, brüllt der Mann direkt an meinem Ohr, woraufhin Anden beschwichtigend die Hände hebt.
Der Mann presst mich so fest an sich, dass ich seinen wilden Herzschlag an meinem Rücken spüre. Falsch, falsch, falsch! Die Worte kreischen in meinem Kopf, vertreiben jeden klaren Gedanken.
„Wer seid ihr wirklich? Wer schickt euch?“
„Niemand schickt uns“, fauche ich, was ich sofort bereue. Die Klinge des Messers drückt sich fester an meinen Hals. Ich spüre etwas feuchtes, das an meiner Haut hinabrinnt. Anden saugt scharf die Luft ein.
„Sie sagt die Wahrheit“, sagt er mit ruhiger Stimme. Er will noch etwas hinzufügen, doch der Mann lässt ihn nicht ausreden.
„Lügen!“, bellt er. „Ich weiß, dass euch die Dschinn schicken! Ich wusste es, als ich ihr Licht und deine Augen gesehen habe!“
Wild rasen mir meine Gedanken im Kopf herum. Ich blende alles aus. Den Druck an meinem Hals, das Brennen, Anden. Mit geschlossenen Augen stehe ich da, dann reiße ich meine Augen auf.
„Ihr seid ein Gegner der Dschinn!“, keuche ich. Kann nicht glauben, ausgerechnet in der Dschinnstadt auf einen der Rebellen zu stoßen.
Der Griff um meinen Körper verstärkt sich, doch es interessiert mich nicht. Ich lache. Erst leise, dann lauter. Bis ich Andens Blick begegne und verstumme.
„Wir gehören nicht zu den Dschinn“ Ich bemühe mich, meine Stimme klar und ehrlich klingen zu lassen.
„Ich glaube dir nicht!“
Nun mischt sich auch Anden ein. „Sie wurde von den Dschinn zum Tode verurteilt! Seht euch ihren Rücken an!“ Mir entgeht nicht, dass Anden den Mann nun höflicher anredet als noch zuvor. Langsam gleitet meine Hand an die Stelle, an der das Messer in meinem Hosenbund steckt. Zwar wollte ich es nicht benutzen, doch sollte es hart auf hart kommen, würde ich es brauchen. Mein Leben gegen das seine. Sein Leben gegen meins.
Ich kann die Skepsis des Mannes beinahe spüren, doch er lockert seinen Griff, um einen Blick auf meinen Nacken werfen zu können. Es ist mir unangenehm, doch Andens Plan scheint zu funktionieren. Der Druck der Klinge an meinem Hals lässt nach, dennoch lässt der Mann sie nicht sinken.
„Und ihr, Magier?“ Das letzte Wort spuckt er voller Abscheu aus. Der Angesprochene versteift sich.
„Ich bin kein Magier.“, knurrt er, fährt dann jedoch in sanfteren Ton fort. „Das“, er deutet auf sein Glasauge, „ist aus Glas. Ein Magier ist schuld daran, dass ich mein Auge verloren habe. Nichts könnte mir ferner liegen, als mich mit einem Magier oder gar einem Dschinn zu verbünden!“
Es folgt nachdenkliches Schweigen. Dann seufzt der Mann und schubst mich von sich, hinein in Andens Arme, die mich sicher auffangen.
„Und was wollt ihr dann hier? In meinem Haus?“ Eine berechtigte Frage.
„Wir haben einen Geheimgang gefunden, der uns hierher geführt hat“, versuche ich es mit der Wahrheit. Sofort verengen sich die Augen des Mannes zu Schlitzen. Er macht einen Schritt auf uns zu und mustert uns. „Woher wisst ihr von den Geheimgängen?“, verlangt er von uns zu erfahren.
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er sein Messer fester umfasst. Plötzlich wirkt er wieder bedrohlich. Ich könnte mich für meine Worte ohrfeigen.
Dann geht alles ganz schnell. Der Mann macht einen Satz auf uns zu, Anden reißt das Messer aus meinem Hosenbund und schubst mich weg. Als ich wieder aufblicke, steckt das Messer tief im Bauch des Mannes. Anden hat einen blutigen Kratzer am Arm. Dann fällt der Mann vor ihm auf die Knie, röchelt und kippt endgültig zur Seite, wo er gurgelnd liegen bleibt. Ich rappele mich auf, greife nach Andens Arm. Blut tropft zu Boden, doch die Wunde ist nicht tief. Mein Blick wandert wieder zu dem gurgelnden Mann zu unseren Füßen.
„Musste das sein?“, wispere ich. Mehr zu mir selbst als zu Anden, dennoch rechtfertigt sich dieser. „Er hätte uns getötet, Brina.“
„Aber er ist einer von den Rebellen, oder nicht?“, fahre ich ihn aufgebracht an. „Er steht auf unserer Seite! Wir waren es doch, die in sein Haus eingedrungen sind!“
Wortlos wendet er sich ab und verlässt den Raum, sodass ich mit dem Sterbenden allein bin. Darauf bedacht, mich nicht in die Blutlache zu knien, hocke ich mich auf den Boden. Das Blut rinnt in einem kleinen Rinnsal aus dem Mundwinkel des Mannes und sammelt sich unter ihm. Sein blick ist starr an die Decke gerichtet und er rührt sich nicht mehr. Ich schließe seine Augen und murmele entschuldigende Worte.
Das Blut breitet sich immer mehr aus. Ich sitze an den Pfosten des Bettes gekauert da und kann den Blick nicht von der Leiche abwenden. Zu viele grausige Bilder suchen mich heim. Bilder, die ich in den hintersten Winkel meines Gedächtnisses verbannt hatte. Tod. Zerstörung. Willkür.
Vor meinem inneren Auge sehe ich meinen Vater, der sich zwischen Liams Schwester und einen Soldaten stellt. In der nächsten Sekunde blitzt ein neues Bild auf. Liam, der schluchzend neben dem geschundenen Körper seiner Schwester hockt und sich den Schmerz von der Seele schreit. Ich sehe mich selbst, wie ich als kleines Mädchen ängstlich an meinem Fenster hocke und in die Gasse hinter unserem Haus spähe, wo eine verhüllte Gestalt auf einen jungen Mann einsticht, bis dieser am Boden liegt.
Ich sehe Naala, Liams Schwester.
„Brina?“ Erschrocken zucke ich zusammen. Andens besorgter Blick trifft mich. Er legt seine Hand an meinem Arm und zieht mich hoch.
„Wir sollten gehen.“

Kommentare:

  1. Hallo!

    Also ich finde die Perspektive und das Präsenz nicht grundsätzlich schlecht. Aber das ist natürlich handwerklich nicht einfach umzusetzen. Ich finde die Sätze müssen dann immer perfekt zusammenpassen, weil die Perspektive so wenige Fehler toleriert. Das soll jetzt nicht heißen das ich deinen Textschnipsel schlecht fand! ;-)
    Mich würde mal der 1. Satz deiner Geschichte interessieren, als der aller Erste.

    Viele Grüße
    Twineety

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    1. Hey du!
      Ich glaube ich weiß, was du meinst :)
      Mein erster Satz? Der ist nicht lang:

      Ein Wort.

      Wow, oder? :D

      LG Emely

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    2. :D Das ist ja mal ein Einstieg. Nicht schlecht.

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    3. Ja! So wortgewaltig, was? xD

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